Der Zustand der Fernstraßen: Ein Blick auf 25.000 Kilometer
Die alarmierenden Zahlen des Verkehrsministeriums sprechen für sich: Fast 25.000 Kilometer Fernstraßen in Deutschland gelten als marode. Diese Offenbarung, die manche vielleicht in einem Zustand der Schockstarre zurücklässt, ist dennoch als kein vollständiger Überraschungseffekt zu werten. Schließlich kann jeder, der auf den deutschen Straßen unterwegs ist, die spürbaren Mängel und das sich verschlechternde Fahrvergnügen sofort feststellen, selbst ohne dazu eine umfassende Studie erstellt zu haben.
Der Zustand der Straßen lässt sich leicht mit dem eines nostalgischen, jedoch völlig veralteten Familienwagens vergleichen, der sicher einmal treue Dienste geleistet hat, aber jetzt mehr Zeit in der Werkstatt als auf der Straße verbringt. Schlaglöcher, Risse und unebene Fahrbahnen sind keine Seltenheit mehr; sie sind vielmehr die neuen Wahrzeichen einer Infrastruktur, die dringend gewartet oder gar erneuert werden müsste. Es ist fast so, als hätte man die Straßen in der Hoffnung, sie könnten die Zeit überdauern, vergessen oder ignoriert.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Frage, warum diese Probleme nicht effizient angegangen werden. Ist der Wille da, die Infrastruktur zu verbessern, oder handelt es sich vielmehr um ein Beharrungsvermögen auf dem Status quo? Die Komplexität und die Kostenspielchen, die mit der Instandhaltung und Erneuerung von Straßen verbunden sind, scheinen oft eine ausweglose Situation zu schaffen. In der politischen Diskussion wird das Thema schnell zum Politikum, bei dem jeder versucht, die Verantwortung von sich zu schieben, während der Autofahrer, der Bahnhofspendelnde oder der Radfahrer die unmittelbaren Folgen spürt.
Die Relevanz dieser Thematik ist nicht zu unterschätzen. Eine marode Infrastruktur hat unmittelbare Auswirkungen auf die Mobilität, die nicht nur den Einzelnen betrifft, sondern auch die Wirtschaft insgesamt. Logistikunternehmen, die auf pünktliche Anlieferungen angewiesen sind, kriegen das Zittern, wenn sie unverhofft durch das nächste Schlagloch auf der Autobahn gejagt werden. Und während der Fahrer im Stau steht, denkt er (oder sie) möglicherweise darüber nach, wie viel Zeit und Geld tatsächlich in der Instandhaltung der Straßen hätte investiert werden können.
Ob der deutsche Bürger nun die Hoffnung hat, dass sich das bald ändert, bleibt fraglich. Die Politik könnte sich mit der Instandhaltung der Fernstraßen einen Gefallen tun, aber die Frage bleibt, ob die nötige Entschlossenheit da ist. So wird es weiterhin eine Gratwanderung zwischen der Priorität im Verkehrshaushalt und den einfacheren, aber kurzfristigen Lösungen sein, die oft mehr schaden als nützen. Der Weg zu einer modernen und funktionierenden Verkehrsinfrastruktur scheint noch weit und steinig – sowohl im wahrsten Sinne des Wortes als auch im übertragenen Sinne.